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'Protest & Widerstand' – das Programm 18/19

2400 Gratis-Plätze bei exklusiven Arrangements

Es ist erneut ein imposantes Engagement namhafter Künstler: von Bühnenstars wie 'Einstürzende Neubauten'-Frontmann Blixa Bargeld, Suzanne von Borsody, Barbara Auer, Bibiana Beglau, Mathieu Carrière, Walter Sittler und Thomas Quasthoff über die Holocaust-Überlebenden Margot Friedlander und Esther Bejarano, schreibende Aktivisten wie Beate Klarsfeld und Karl-Heinz Dellwo, Impressario Claus Peymann, die Fußball-Legenden Dietmar Hamann, Marco Bode und Ewald Lienen bis zu den nächsten Angehörigen der Polit-Ikonen Rudi Dutschke und Che Guevara.
Sie alle treten im achten Jahr von 'Lesen ohne Atomstrom' erstmals unter einem übergreifenden Titel auf: 'Protest & Widerstand' - Anlass ist der Tabubruch der Hamburger Landesregierung, die 2017 für G20 die Stadt eine Woche lang an eine militarisierte Polizei übergab und elementare Grundrechte außer Kraft setzte. 100.000 Menschen trugen ihren Protest auf die Straße: Solch zivilgesellschaftliches Engagement würdigt das neue Programm des Hamburger Literaturfestivals, von November '18 bis Februar '19.
2400 Zuschauer können live dabei sein - wie immer gratis.

AnzeigeErstmals zeigt das Festival auch eine eigene Ausstellung: 'Die Diskreditierten' – Werke jener Reporter, denen die Arbeit am G20-Tagungsort verwehrt wurde. Ein geübter Rechtsbruch der Bundesregierung: Sie sperrte schon beim 2007-Gipfel in Heiligendamm Berichterstatter aus – und wurde dafür verurteilt. Trotzdem hinderte sie in Hamburg erneut 32 Reporter an ihrer Arbeit.
Renommierte Verfassungsexperten und Publizisten ordnen die Beschränkung der Grundrechte ein: wie Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum, der frühere Bundesrichter Wolfgang Neskovic, der ehemalige Datenschutzchef der Bundesregierung Peter Schaar oder Pulitzer-Preisträger Attila Mong aus Ungarn, Wikileaks-Gründerin Birgitta Jonsdottir aus Island, der türkische Schriftsteller Doghan Akhanli und Colombe Pringle, langjährige Chefredakteurin der französischen 'Vogue'.

 
Das aktuelle Programm

Januar
19.1. Ausstellungseröffnung 'Die Diskreditierten':
„Under Pressure – Pressefreiheit in Europa“
Dogan Akhanli, Attila Mong, Colombe Pringle,
Birgitta Jonsdottir, Rainer Burchardt
Dolmetscherin: Lilian-Astrid Geese
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr

Kunsthaus Hamburg
20.1. Man darf nicht warten“ (Erich Kästner):
Beate Klarsfeld, Esther Bejarano,
Margot Friedlander, Luc Jochimsen, Barbara Auer
Einlass:  10.15 Uhr – Beginn: 11.00 Uhr

Tickets (5 €) müssen wegen der Sicherheitsbestimmungen der Jüdischen Gemeinde vorab reserviert werden: HIER
Einlass nur mit Vorlage von Ticket und Personalausweis möglich!

Talmud-Tora-Schule

21.1. „Der kommende Aufstand“:
Thomas Quasthoff, David Bennent, Mathieu Carrière, Andreas Blechschmidt, Karl-Heinz Dellwo,
Feridun Zaimoglu
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr

Museum am Rothenbaum
MARKK
22.1. „Hillsborough - Der Tag, an dem der Fussball starb“: Dietmar Hamann, Marco Bode, Ewald Lienen,
Kevin Sampson, Oke Göttlich, Simone Buchholz
Dolmetscherin: Lilian-Astrid Geese
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr

Millerntorstadion
23.1. „Der Verleger“ - Giangiacomo Feltrinelli:
Blixa Bargeld, Bibiana Beglau, Felix Klare,
Michael Farin
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr

Museum am Rothenbaum
MARKK
Februar
3.2.  Frida Kahlo:
Suzanne von Borsody & Trio Azul
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr
Fabrik
14.2. „1968 – Worauf wir stolz sein dürfen“:
Gretchen Dutschke, Emily Laquer, Claus Peymann
Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19.30 Uhr

Akademie der Künste
Was schon war - November 2018
15.11. Ausstellungseröffnung 'Die Diskreditierten':
„G20 – das Festival der Demokratie“?
Gerhart Baum, Peter Schaar,
Rafael Behr, Wolfgang Neskovic
FC St. Pauli Museum
im Millerntorstadion
16.11. „Mein Bruder Che“:
Juan Martin Guevara, Walter Sittler
Dolmetscherin: Lilian-Astrid Geese
Akademie der Künste
     
  Die Veranstaltungsorte Kunsthaus, MARKK und Talmud-Tora-Schule sind nicht barriere-frei. 
     
  Eintritt frei  
     
  Das Programmheft 2018/19 runterladen (PDF)  
     

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Kahlo, Guevara, Dutschke, Feltrinelli, das 'Unsichtbare Komitee' – und viele mehr

  • Juan Martin Guevara kommt eigens aus Buenos Aires, wo die G20 Ende November erstmals seit Hamburg wieder tagen: Er berichtet über die Proteste in Argentinien – und im Gespräch mit Walter Sittler über sein Engagement. Und seinen Bruder Che.
  • Was von der 68er-Bewegung für den Aktivismus im 21. Jahrhundert bleibt, beleuchten Gretchen Dutschke, Witwe des Wortführers der '68er', und Theaterlegende Claus Peymann – im Generationendialog mit Hamburgs G20-Protestsprecherin Emily Laquer.
  • Suzanne von Borsody präsentiert in einer konzertanten Lesung das Werk der Malerin Frida Kahlo, Vorkämpferin der Frauenbewegung.
  • Erich Kästners Appell „Man darf nicht warten“ bekräftigt ein Podium starker Frauen: in der Jüdischen Gemeinde treffen die Holocaust-Überlebenden Margot Friedlander und Esther Bejarano mit Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld zusammen. Luc Jochimsen moderiert. Barbara Auer liest.
  • Europaweit in den Schlagzeilen ist das Buch 'Der kommende Aufstand', von der anonymen Autorengruppe 'Unsichtbares Komitee': den Aufruf zur Revolte präsentieren Mathieu Carrière, 'Blechtrommel'-Star David Bennent und Grammy-Preisträger Thomas Quasthoff. Und diskutieren mit den Autoren Karl-Heinz Dellwo ('Riot'), Andreas Blechschmidt ('Gewalt. Macht.Widerstand.') und Feridun Zaimoglu.
  • Vor 30 Jahren starben 96 Menschen im Hillsborough-Stadion: Medien und Politik machten die Fussballfans dafür verantwortlich – mit einer Lügenkampagne, die erst durch das anhaltende Engagement vieler Bürger entlarvt werden konnte. Der Liverpooler Autor Kevin Sampson liest aus 'Hillsborough Voices', mit einem einzigartigen Ensemble: den Fussball-Legenden Marco Bode, Ewald Lienen und Dietmar Hamann.
  • Exklusiv arrangiert Regisseur Michael Farin eine Live-Performance des Nanni-Balestrini-Werks 'Der Verleger' – mit Blixa Bargeld, Bibiana Beglau und Felix Klare: das Porträt des schwerreichen Mailänder Verlegers Giangiacomo Feltrinelli, der auch Aktivist der militanten Linken war. Ums Leben gekommen beim versuchten Sprengstoffanschlag auf einen Strommast.

 

Impressionen 2018 / 2019


TAG 2 – 16. November 2018

Es war in Hamburgs Akademie der Künste nichts weniger als die Näherung an einen Mythos, persönlich wie politisch: „Ernesto war mein Blutsbruder, der Che mein Begleiter was die Ideen angeht“, offenbarte Juan Martin Guevara ein überaus nahes Verhältnis zu seinem 1967 ermordeten Bruder, dem legendären Anführer der cubanischen Revolution. Im Gespräch mit Schauspieler Walter Sittler - der dabei auch auf den „großartig heftigen Protest der Hamburger gegen G20“ zurückblickte - berichtete der 75-jährige Argentinier aus dem familiären Alltag der Guevaras wie vom politischen Kampf. Dem auch er sich, wie sein Bruder und seine Mutter, als radikaler Linker verschrieben hat: „Man muss für Humanismus und Solidarität kämpfen – dafür müssen wir den Kapitalismus besiegen.“

 

TAG 1 – 15. November 2018

Zur Eröffnung des '8. Lesen ohne Atomstrom' wurde die von Senat, Polizei und Medien seit einem Jahr beharrlich etablierte G20-Geschichtsschreibung, wonach unerwartet starke Proteste beim 2017-Gipfel die Polizei überfordert hätten und diese künftig weiter aufrüsten müsse, beeindruckend widerlegt: Ex-Bundesrichter Wolfgang Neskovic und der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar attestierten der Hamburger Landesregierung vielmehr „schwere Fehler“. Zudem habe sie elementare Grundrechte massiv verletzt, wie die Presse- und Versammlungsfreiheit. Der Professor der Hamburger Polizeiakademie Rafael Behr bestätigte die gravierenden Versäumnisse von Hamburgs politischer und polizeilicher Führung, die die „Militarisierung der Polizei“ betrieben: „Es wurde ausschließlich auf Kriegslogik gesetzt.“ Verfassungspolitisch seien die G20-Vorgänge inakzeptabel, resümierte auch Bundesinnenminister a. D. Gerhart Baum: „Wo war hier eigentlich die Politik? Wo war die Kontrolle der politisch Verantwortlichen?“ Polizeiprofessor Behr antwortete: „In Hamburg ist die Polizei von der Politik emanzipiert. Hier kann der Innensenator keine Direktiven mehr an die Polizeiführung geben.“

 


 

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