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HAIDI GIULIANI APPELLIERT AN HAMBURGS BÜRGERMEISTER

Ihren Sohn Carlo tötete die Polizei mit einem Kopfschuss, als der 23-Jährige mit 300.000 Menschen am 20. Juli 2001 gegen den G8-Gipfel in Genua protestierte. Im Vorfeld des G20 in Hamburg hat sich die frühere Parlamentsabgeordnete Haidi Giuliani, die am 5. Juli bei 'Lesen ohne Atomstrom' über die Ereignisse von Genua berichten wird, an Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz gewandt: „Verteidigen Sie sich, Herr Bürgermeister – und verteidigen Sie bitte Ihr schönes Hamburg! Dafür reicht es, klar 'Nein' zu G20 zu sagen.“ Das Schreiben von Giuliani, das die 'Lesen ohne Atomstrom'-Veranstalter der Hamburger Senatskanzlei übersandt haben, werfe unweigerlich eine Frage auf - sagt Festivalsprecher Oliver Neß: „Hat auch Hamburgs Senat im Vorfeld des G20 Leichensäcke angeschafft? Wir haben den Bürgermeister dazu um Information gebeten, leider keine Antwort erhalten.“ In Genua waren 200 Transporthüllen für die offenbar einkalkulierten Toten der Gipfel-Proteste bereitgehalten worden, berichtet Giuliani Hamburgs Bürgermeister: „Erlauben Sie mir, Sie auf einige Zahlen von drei Tagen G8-Gipfel im Jahr 2001 aufmerksam zu machen: es gab 18 Pistolenschüsse durch die Polizei, die G8-Veranstalter kauften im Vorfeld des Gipfels 200 Leichensäcke, 6152 Patronen Tränengas wurden gegen unbewaffnete Menschenverschossen, es wurden fünf Kreuzfahrtschiffe als Unterkunft der Delegationen bereitgestellt, es mussten 15 Milliarden Lire (damals 15 Millionen D-Mark) Schadenersatz-Zahlungen geleistet werden, die Gipfelkosten betrugen rund 240 Milliarden Lire (damals 240 Millionen D-Mark), rund 20.000 „Sicherheitskräfte“ wurden eingesetzt. Und: Es gab einen Toten … Herr Bürgermeister,bitte sagen Sie mir nicht, dass all dies in Ihrer Stadt nicht vorkommen könnte. Ich war bis zum 20. Juli 2001 fest davon ausgegangen, dass meinem Sohn und vielen anderen - die als Bürger eines demokratischen Staats ihre Grundrechte wahrgenommen haben - nicht hätte passieren können, was ihnen widerfahren ist.“ Giuliani weiter: „Ich frage Sie: Hat sich das gelohnt? (…) Heutzutage gibt es beeindruckende technische Möglichkeiten, um über weite Distanzen miteinander zu kommunizieren. Das Mittel der Telefonkonferenz können auch acht oder sogar zwanzig sogenannte „Größen“ mit ihrem Gefolge nutzen – sie brauchen dafür nicht unsere Städte militärisch zu besetzen. Was bei uns in Genua zu beobachten war und was im Juli in Hamburg geschehen wird - ist nur eines: eine Machtdemonstration.“ Der 'Guardian' bilanzierte: „Genua sagt uns: Wenn sich der Staat bedroht fühlt, werden alle Gesetze von ihm ausser Kraft gesetzt – es herrscht die blanke Gewalt, die schrankenlose Willkür.“

Hier der Brief im Original

 
  • Lesen ohne Atomstrom
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