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Auch RWE beendet Greenwashing in Hamburg

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll der Atomkonzern RWE entschieden haben, sein Sponsoring des Hamburger Literaturfestivals „Harbour Front“ zu beenden. Noch wird RWE auf der Harbour-Front-Internetpräsenz als „Partner“ geführt. „Nach allem was wir hören, ist RWE aber schon beim nächsten Event im September nicht mehr dabei“, erläutert Liz Kistner, Projektkoordinatorin des Kultur für alle e. V., der „Lesen ohne Atomstrom“ organisiert.

Bei der Programmpräsentation von „Lesen ohne Atomstrom 2014“ am 11. März hatten Konstantin Wecker und Frank Otto noch darauf aufmerksam gemacht, dass Hamburgs Senat und RWE bislang gemeinsam „Harbour Front“ finanzieren – und angekündigt: „Wir werden auch das künftig mit exklusiver Kultur begleiten.“ Das ist nun offenbar nicht mehr nötig. Oliver Neß, Festivalsprecher von „Lesen ohne Atomstrom“: „Hamburg ist kein gutes Pflaster mehr für das Greenwashing der Atomindustrie. Nach dem Rückzug von Vattenfall legt nun wohl RWE seinen Kulturmissbrauch still. Trotz aller Bemühungen des Senats, den Atomkonzernen hier eine attraktive kulturelle Spielfläche zu bieten – in dieser Stadt machen Schriftsteller, Künstler, Theater, Fußballvereine, Bücherhallen, Unternehmer und viele engagierte Bürger die Strategie der Atomindustrie öffentlich zum Thema, akzeptieren das Greenwashing nicht länger. Frei nach Elke Heidenreich: Schön, dass die Atomkonzerne das jetzt eingesehen haben.“

 

„Enge Allianz von Kulturbehörde und Atomindustrie“

Beim Prolog von 'Lesen ohne Atomstrom' am Fukushima-Jahrestag, dem 11. März, in den Kammerspielen stand die Verbindung von Hamburger Kulturbehörde und Atomindustrie im Fokus. Kulturmäzen Frank Otto erklärte, dass das Festival 'Lesen ohne Atomstrom' auch nach dem Ende der 'Vattenfall-Lesetage' weiter ausgebaut wird – um „dafür zu sorgen, dass die enge Allianz der Kulturbehörde mit der Atomindustrie öffentlich diskutiert wird“. Konstantin Wecker, der in den Kammerspielen das Programm von 'Lesen ohne Atomstrom 2014' präsentierte, konkretisiert das: „Die Atomkonzerne verwetten mit ihrer menschenfeindlichen Technologie unseren Planeten. Sie benutzen die Kultur, um ihr desaströses Image aufzupolieren. Mit 'Lesen ohne Atomstrom' konnten wir das im Fall von Vattenfall öffentlich machen - und stoppen. Das ist aber nur ein Beispiel: Einträchtig sind Hamburger Senat und RWE Sponsor des 'Harbour Front'-Festivals. Wir werden auch das mit exklusiver Kultur begleiten.“ Otto bestätigt: „Bei 'Harbour Front' legt die Kulturbehörde ergänzend zum Geld von RWE noch einen Millionenbetrag obendrauf.“

Und mehr noch: Nach Informationen namhafter Schriftsteller werden nahezu alle Beteiligten der 'Vattenfall-Lesetage' in den kommenden Wochen ein neues Literaturfestival öffentlich vorstellen. 'Lesen ohne Atomstrom'-Sprecher Oliver Neß sagte in den Kammerspielen: „Für das neue Festival, das offenbar vom Literaturhaus als langjährigem Partner der 'Vattenfall-Lesetage' koordiniert wird, stellt die Kulturbehörde wohl eine hohe finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Und wie zu hören ist, sehen die Planungen vor, dass früher oder später auch Vattenfall als Sponsor wieder mit von der Partie sein soll. 'Lesen ohne Atomstrom' wird beizeiten die nötige Öffentlichkeit zu diesem Deal herstellen.“

 

Der Prolog – 11.3.: Wecker live

Am 11. März, dem dritten Jahrestag der Explosion der Atomreaktoren in Fukushima, präsentiert „Lesen ohne Atomstrom“ in den Kammerspielen sein neues Programm – bei dem vom 22. bis 27. April erneut drei Dutzend renommierte Autoren und Künstler auf Hamburgs attraktivsten Bühnen auftreten. Die konzertante Lesung „Mit Sturm & Klang für die Energiewende“, benannt nach dem gleichnamigen Label von Konstantin Wecker, macht am 11. März den Auftakt des unabhängigen Literaturfestivals. Mit allen „Sturm & Klang“-Künstlern in den Kammerspielen - Cynthia Nickschas, Prinz Chaos II., Dominik Plangger, Roger Stein, Jo Barnikel und Konstantin Wecker. Wie immer bei „Lesen ohne Atomstrom“ ist der Eintritt frei. Mehr als tausend Plakate in der gesamten Stadt laden die Hamburgerinnen und Hamburger dazu ein.

„Wir freuen uns, den Auftakt zum inzwischen 4. Jahr von 'Lesen ohne Atomstrom' machen zu dürfen. Es ist großartig, dass der Kulturstadt Hamburg ab jetzt der Kulturmissbrauch durch die Atomindustrie erspart bleibt“, erklärt Wecker mit Blick auf das Ende der sogenannten „Vattenfall-Lesetage“, das der Atomkonzern Ende 2013 bekannt gegeben hat. Frank Otto vom gemeinnützigen Kultur für alle e. V. - Veranstalter von „Lesen ohne Atomstrom“ - erklärt zum April-Programm des Literaturfestivals: „Die Zuschauer können sich wieder auf außerordentlich exklusive Literaturpräsentationen freuen. Die bei 'Lesen ohne Atomstrom' engagierten, inzwischen insgesamt mehr als 150 Schriftsteller und Künstler sind durchweg auf den Bestseller-Listen vertreten. Sie haben Grimme-Preise, Goldene Kamera, Deutschen Fernsehpreis, Echo, das Bundesverdienstkreuz und zahlreiche Literaturauszeichnungen erhalten. Dieses Jahr wird erstmals ein Grammy-Preisträger dabei sein. Es ist beeindruckend, wie die Autoren und Künstler mit ihren Werken und die Hamburger Theater mit ihren Bühnen sich für eines der zentralen gesellschaftlichen Themen dieses Jahrhunderts - die Energiewende - positionieren.“

11.3., 19.30 Uhr, Hamburger Kammerspiele: „Mit Sturm & Klang für die Energiewende“.
Einlass: 19 Uhr. Platzreservierungen sind nicht möglich. Es wird empfohlen, rechtzeitig zu den Kammerspielen zu kommen.

 

 

Autoren widersprechen Senat und Vattenfall-Partnern

Zahlreiche namhafte Schriftsteller und Künstler freuen sich öffentlich über das Ende der ‚Vattenfall-Lesetage’ - und widersprechen ausdrücklich der Einschätzung von Kultursenatorin Kisseler, der Atomkonzern habe „einen bedeutenden Beitrag zu Hamburgs Kultur geleistet, der (…) nicht ersetzbar“ sei. Die Autoren weisen auch die Behauptung von Vattenfall-Partnern zurück, mit dem Aus der ‚Vattenfall-Lesetage’ sei „der Kulturstandort Hamburg beschädigt“. Die Kommentare der Künstler dokumentiert der Veranstalter des Literaturfestivals ‚Lesen ohne Atomstrom’ - der Kultur für alle e. V. - in einer ganzseitigen Anzeige in der ‚Hamburger Morgenpost’.

Die Autoren bezeichnen vielmehr das ins vierte Jahr gehende, von Bürgern organisierte Festival ‚Lesen ohne Atomstrom’ als „Schmuckstück, Geschenk und Werbefaktor für Hamburg“. „Nachdem Vattenfall das Ende seines Kulturmissbrauchs erklärt hat, verkünden zuletzt verschiedene Kulturfunktionäre und langjährige Vattenfall-Partner - wie Hamburger Abendblatt und der Hörfunksender NDR-90,3 – nahezu wortgleich Schreckens-Szenarien, prophezeien gar ‚komplette Leere’. Das ist phantasielos - und ignoriert vor allem einmal mehr jene, die Literatur konkret erschaffen. Genau sie, die Autoren, beglückwünschen Hamburg ausdrücklich dazu, sich vom Greenwashing der Atomindustrie befreit zu haben“, sagt Oliver Neß, Sprecher des unabhängigen Festivals ‚Lesen ohne Atomstrom’ - das in den letzten drei Jahren mehr als 10.000 Gratis-Plätze in exklusiven Literaturveranstaltungen für Hamburg geschaffen hat.

Überdies legen mehrere Schriftsteller dem Hamburger Senat nahe, sich aktiv an ‚Lesen ohne Atomstrom’ zu beteiligen. Für Kulturmäzen Frank Otto, ‚Lesen ohne Atomstrom’-Förderer der ersten Stunde, eine innovative Anregung: „Wir verstetigen das Festival 'Lesen ohne Atomstrom' bereits seit geraumer Zeit mit einem beeindruckend breiten bürgerschaftlichen Engagement. Die Idee der Autoren, dass künftig auch die Stadt sich hier mit einbringt, ist interessant.“ Festivalsprecher Neß ergänzt: „Die Anregungen der Autoren sind kreativ und sollten auch für die Kultursenatorin belebend sein. Der Kultur für alle e. V. hat den Schriftstellern umgehend zugesichert, dass er bereit ist, seine Ressourcen weiter einzubringen.“ Das bestätigt Heiko Böttner, 1.Vorsitzender des Kultur für alle e. V.: „Senatorin Kisseler hat zuletzt in der Hamburger Morgenpost gesagt, sie brauche 'starke Partner' in der Kulturförderung. Die stärksten Partner - welche die Kultur wie auch die dafür verantwortliche Senatorin haben kann - sind die Bürger, die Künstler und deren gemeinsames Engagement. 'Lesen ohne Atomstrom' beweist das seit Jahren.“

Anzeige MOPO herunterladen (PDF, ca. 1,5 MB) 

 


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