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Wir sind traurig

Dieter Hildebrandt ist tot. Der Kabarettist ist am 20. November verstorben. Dieter Hildebrandt hat „Lesen ohne Atomstrom“ engagiert unterstützt, wollte beim Festival im April 2014 wieder in Hamburg auftreten. Wir sind Dieter Hildebrandt sehr dankbar – und unendlich traurig! Ein Nachruf von "Lesen ohne Atomstrom"- Autor Hollow Skai.

Nachruf von Hollow Skai (u. a. "Rio Reiser - Die inoffizielle Biografie des Königs von Deutschland")
Bevor wir uns verschämt die eine oder andere Träne aus den Augenwinkeln wischen und wieder zur Tagesordnung übergehen, möchte ich noch einmal daran erinnern, dass mit Dieter Hildebrandt nicht nur ein großartiger Kabarettist von uns gegangen ist, der sich Zeit seines Lebens nie verbogen hat, sondern auch unermüdlich den Herrschenden den Spiegel vorhielt. Ich weiß noch, wie ich als kleiner Junge zusammen mit meinen Eltern die Münchener Lach- und Schießgesellschaft im Fernsehen gesehen habe, und obwohl ich damals wohl kaum alles verstanden habe, was er mit spitzer Zunge und hellwachem Geist formuliert hat, war er doch einer der ersten „Fernseh-Stars”, der mich begeisterte - weil er anders und viel politischer war als die Frankenfelds und Kulenkampffs. Später habe ich natürlich seine „Notizen aus der Provinz” und den „Scheibenwischer” gesehen. Und Hildebrandt wurde nie langweilig, sondern schaute stets den Mächtigen aufs Maul und entlarvte ihre Denkfaulheit und Dummbräsigkeit. Unvergessen seine Rolle als Fotoreporter Herbie in Helmut Dietls TV-Serie „Kir Royal” oder wie er Helmut Kohl vorführte, indem er dessen Worthülsen benutzte, um Matthias Claudius’ „Abendlied” vorzutragen.

Unvergessen aber auch sein lebenslanges Engagement gegen Atomwaffen und Atomkraft: Bei den erneuerbaren Lesetagen "Lesen ohne Atomstrom" war er nicht nur ein gern gesehener Gast und Mitstreiter, der es sich nicht nehmen ließ, Hotel und Reisekosten aus eigener Tasche zu bezahlen, sondern auch alle mit seinem Humor ansteckte und mitriss. Bis zuletzt trat er fünfzehn Mal im Monat auf, ohne je ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Mit den "Lesen ohne Atomstrom"-Machern hatte er noch vor vier Wochen telefoniert, als er sich für die Erklärung der "Lesen ohne Atomstrom"-Autoren zur Beendigung der "Vattenfall-Lesetage" engagierte - zu der Dieter Hildebrandt sagte: "Es war schon eine verwegene Entscheidung, einem Stromkonzern die Kultur Hamburgs zu überlassen. Aber nun ist ja alles gut. Es sei denn, es kommt zum Äußersten: Wenn der Hamburger Senat sich auch noch bei Vattenfall entschuldigt." Als er diese Zeilen übermittelte, berichtete Dieter Hildebrandt, dass er an der Aktualisierung seines Soloprogramms arbeite: "Nicht ganz leicht, wo es die FDP jetzt nicht mehr gibt", schmunzelte er. Und versprach: "Am 7.11. bin ich wieder auf der Bühne. Ciao bis zum April." Denn auch das nächste "Lesen ohne Atomstrom" im kommenden Frühjahr hatte er, schon 86 Jahre alt, fest im Kalender. Und das obwohl das ganze Jahr 2014 wieder komplett ausgebucht war. Dieter Hildebrandt freute sich offenbar schon darauf, im Schmidt’s-Theater auf der Reeperbahn den Sieg über Vattenfall zu kommentieren.

Mit Dieter Hildebrandt ist somit nicht nur ein begnadeter Wortkünstler von uns gegangen, sondern auch ein politisch engagierter Autor, der wie kaum ein anderer für mich auch ein Vorbild war. Sein Vermächtnis wird auch dann noch Gewicht haben, wenn all die Pochers, Cindy aus Marzahns und selbstgefälligen Harald Schmidts längst Geschichte sind.

 

22. bis 27. April 2014

Das Literaturfestival „Lesen ohne Atomstrom - Die Erneuerbaren Lesetage“ findet 2014 bereits zum vierten Mal statt - vom 22. bis 27. April. Zwei Dutzend prominenter Autoren werden dann auf den attraktivsten Bühnen Hamburgs auftreten. Der Eintritt ist frei – wie immer.

„Wie schon in den vergangenen Jahren haben erneut diverse Bestseller-Autoren aus dem In- und Ausland zugesagt, die ersten sogar schon für 2015. An jedem Abend werden wieder mehrere hochkarätige Schriftsteller und Künstler gemeinsam auftreten“, sagt Oliver Neß, Sprecher von „Lesen ohne Atomstrom“.

Auch 2014 wird das Programm - wie jedes Jahr - am 11. März, dem Jahrestag des Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima, öffentlich vorgestellt.

In den vergangenen drei Jahren hat „Lesen ohne Atomstrom“ bereits mehr als 10.000Gratis-Plätze in exklusiven Kulturveranstaltungen geschaffen. Und es kommen immer neue Partner des Veranstalters - des gemeinnützigen „Kultur für alle e. V.“ - hinzu, die das unabhängige Literaturfestival ermöglichen: Mäzene und Stiftungen.

Einer der Förderer der ersten Stunde ist Medienunternehmer Frank Otto, der für seine Kulturaktivitäten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Otto: „Wir verstetigen ‚Lesen ohne Atomstrom’ bereits seit geraumer Zeit mit einem beeindruckend breiten bürgerschaftlichen Engagement. Für Hamburg.“

Festivalsprecher Neß ergänzt: „Senatorin Kisseler hat just zu Wochenbeginn öffentlich appelliert, dass sie „starke Partner“ in der Kulturförderung brauche. Bislang denkt sie dabei offenbar eher eng - an große Konzerne, denen sie diese Stadt regelrecht überlässt. Tatsächlich sind die stärksten Partner einer Regierung aber die Bürger. Der Bürgermeister hat das beim Volksentscheid zur Re-Kommunalisierung der Energienetze zuletzt erfahren. Möglicherweise besteht hier auch in der Kulturbehörde noch Entwicklungspotential.“

 

Aus für Vattenfall-Lesetage

Das Greenwashing-Event der Atomindustrie, die "Vattenfall-Lesteage", gibt es nicht mehr. Das Hamburger Abendblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 2. Oktober, dass Vattenfall seinen Kulturmissbrauch beendet.
Dazu erklärt der Veranstalter von "Lesen ohne Atomstrom - Die Erneuerbaren Lesetage", der gemeinnützige "Kultur für alle e. V.": „Der Rückzug Vattenfalls ist das Ergebnis des Engagements verschiedener Bündnisse in Hamburg gegen den Missbrauch der Literatur durch den Atomkonzerns. Wir freuen uns, dass unsere Reihe „Lesen ohne Atomstrom“ offensichtlich einen Beitrag dazu leisten konnte!
Die Kritik an den Vattenfall-Lesetagen war eine Kritik des Greenwashings und richtete sich nicht gegen ein Literaturfestival. Deswegen betrachten wir es als unsere neue Aufgabe, nun an einem wirklich unabhängigen und nur der Literatur verpflichteten Programm weiterzuarbeiten.
Zudem hoffen wir, dass Vattenfall auch im Hinblick auf seine eigentlichen Geschäftsfelder ebenso Einssicht zeigt und von seinen verantwortungslosen und gefährlichen Atomprojekten ebenso wie vom klimaschädlichen Moorburgkraftwerk ablässt“ sagt Heiko Böttner, Vorsitzender des Kultur für alle e. V.."Das erneut hoch attraktive Programm für Lesen ohne Atomstrom im April 2014 steht bereits."


 

Elke Heidenreich: „Das ist das Hamburger Literaturfestival!“

Das „Hamburger Abendblatt“ konstatierte „100 Prozent Auslastung“ bei allen Veranstaltungen, die Deutsche Presseagentur schrieb von „umjubelten Auftritten“. 2013 waren - wie in den Jahren zuvor - wieder alle Veranstaltungen von „Lesen ohne Atomstrom“ bis auf den letzten Platz besetzt, 3.270 Zuschauer live dabei. Zum Finale der diesjährigen „Erneuerbaren Lesetage“ am Tschernobyl-Jahrestag, dem 26.4., rockte fast vier Stunden ein Großaufgebot an Stars den „Vatten-Störfall“: Udo Lindenberg, Ben Becker, Joachim Król, Ulrich Waller und viele andere verurteilten den Kulturmissbrauch des Atomkonzerns Vattenfall scharf – im Rahmen einer konzertanten Hermann-Hesse-Lesung vor 600 Zuschauern im prall gefüllten St. Pauli Theater. „Was für ein rauschendes Finale von ‚Lesen ohne Atomstrom’“, so BILD.

Dabei schenkte Udo Lindenberg - nach Jan Plewka und Jan Delay 2012 mit „Bye Bye Vattenfall“ - dem Literaturfestival eine weitere Hymne. Machte aus seinem Hit „Gegen den Strom“ im Duett mit Ben Becker: „Gegen den Atom-Strom“.

Ihr Text war regelrecht die Antwort auf die Verleumdungen und Beschimpfungen der Vattenfall-Organisatoren gegen Künstler und Förderer von „Lesen ohne Atomstrom“, die im Vorfeld des Literaturfestivals bekannt geworden waren. Becker und Lindenberg sangen:

Lass sie doch labern, blöd wie sie sind –

Für uns war das alles lockere Action, doch für
die waren das gleich Skandale –

Diese schlaffen gebügelten Affen,

guck sie Dir an: Sie sollten sich was schämen!

Gegen den Atom-Strom.“

Mehr als 10.000 kostenlose Plätze in exklusiven Kulturveranstaltungen hat „Lesen ohne Atomstrom“ bislang für Hamburg geschaffen. Alle Lesungen und Konzerte sind für jeden Gast gratis. Dazu trägt die Kulturbehörde keinen Cent bei. Sie fördert vielmehr das Firmen-Greenwashing „Vattenfall-Lesetage“.

Die Autoren und Künstler sind entschlossen, das unabhängige Festival weiter auszubauen. Hannes Jaenicke: „’Lesen ohne Atomstrom’ ist schon jetzt eines der bestbesetzten Literaturfeste. Auf diesem Weg machen wir weiter.“ Und Jean Ziegler, der für die Vereinten Nationen ständig rund um den Globus unterwegs ist, sagt: „Was in Hamburg passiert, ist einzigartig. Das habe ich noch nirgends erlebt. ‚Lesen ohne Atomstrom’ hat eine ganz besondere Kraft.“ Literaturkritikerin Elke Heidenreich ergänzt: „’Lesen ohne Atomstrom’ ist faktisch das Hamburger Literaturfestival. Wir werden alle weiter daran mitarbeiten.“

Schon jetzt liegen dem veranstaltenden „Kultur für alle e. V.“ Zusagen namhafter Autoren und Künstler für April 2014 vor. Auch bislang nicht beteiligte Theater bieten ihre Bühnen mietfrei an.


 


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