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JAPANS EX-PREMIER KAN APPELLIERT AN G20

2010 und 2011 saß er bei den Staatschef-Gipfeln noch selbst am Konferenztisch, im Vorfeld des Hamburger G20 appelliert Japans Ex-Premier Naoto Kan nun eindringlich an seine ehemaligen Kollegen. In einer Videobotschaft für 'Lesen ohne Atomstrom' sagt Kan: „Die Weltgemeinschaft muss eine Gesellschaft schaffen, die sowohl auf Atomstrom als auch auf fossile Energieträger verzichtet. Mit diesem Herzenswunsch wende ich mich nun an Sie, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des G20-Gipfels.“ Kan war Regierungschef Japans als 2011 in Fukushima die Atommeiler explodierten. Im vergangenen Jahr gab er bei 'Lesen ohne Atomstrom' in Hamburg interne Einblicke in diese Zeit. Mit der regelrecht traumatischen Erfahrung Kans in der Bewältigung des Super-GAU appelliert der Ex-Premier nun an die G20: „Ich würde mich freuen, wenn Sie sich beim Hamburger G20-Gipfel den Zielen des Atomausstiegs sowie der Stärkung der Erneuerbaren Energien gemeinsam annehmen und konkret für deren Umsetzung kämpfen.“ Um seinem Appell an die G20 Nachdruck zu verleihen, weist Kan auf die Dramatik der Geschehnisse zu seiner Amtszeit hin: „Es hat damals nicht viel gefehlt, dass die Hälfte des japanischen Territoriums mit einer Einwohnerzahl von 50 Millionen Bürgern hätte evakuiert werden müssen. Bis zu diesem Tag war ich davon überzeugt, dass eine Katastrophe wie die in Tschernobyl in Japan mit seinen hohen technischen Standards unmöglich sei. Das jedoch war ein Irrtum. Ich bin seither vom kompletten Gegenteil überzeugt - und folglich der Meinung, dass Atomkraftwerke nicht nur in Japan sondern weltweit abgeschafft werden müssen. Atomstrom ist obsolet, der Energiebedarf kann allein durch erneuerbare Energien gedeckt werden.“ Und Japans Ex-Premier sieht in der Lösung der Energiefrage auch einen wichtigen Beitrag zum Frieden in der Welt: „Mit Hilfe der Erneuerbaren Energien ist es jedem Land möglich, seinen Energiebedarf selbständig zu decken. Gelingt uns das, ersticken wir damit jedweden Kampf um Energie im Keim.“

Der Appell Kans wird als Videobotschaft beim mehrstündigen 'Lesen ohne Atomstrom'-Kulturprogramm am 5. Juli in der Hamburger Laeiszhalle gezeigt.

 

„DA HIN GEHEN, WO DIE G20 SIND!“

Mit der Wahl der Laeiszhalle als Veranstaltungsort der Lesung gegen G20 orientiert sich 'Lesen ohne Atomstrom' auch im siebten Jahr seines Bestehens an seinem Mitbegründer Günter Grass: „Wir müssen da hin, wo die sind“, forderte der Nobelpreisträger 2011 zur Festivaleröffnung – und so lasen Nina Hagen und Grass direkt vor dem Atommeiler Krümmel. Dessen Betreiber Vattenfall veranstaltete seinerzeit eines der größten Greenwashing-Events der Atomindustrie, die 'Vattenfall-Lesetage'. Anlässlich des G20 geht 'Lesen ohne Atomstrom' nun dahin, wo die 'Illegitimen 20' zusammenkommen: vis a vis der Messehallen.

Eintrittskarten (8 Euro, enthalten sind HVV-Tickets für An- und Abfahrt sowie Vorverkaufsgebühr) gibt’s an allen bekannten Vorverkaufsstellen – und bei der Elbphilharmonie.

 

„Wir müssen da hin, wo die sind!“

So hatte es 'Lesen ohne Atomstrom'-Mitbegründer Günter Grass zum Start des Literaturfestivals im Jahr 2011 gefordert – und bei der Premiere lasen der Nobelpreisträger und Nina Hagen vor dem Vattenfall-Atommeiler in Krümmel. 249 Autoren und Künstler sind ihnen seither gefolgt. Zum Finale in diesem Jahr ging das Festival eigens auf eine Barkasse, protestierte mit Kultur direkt im Fahrwasser der Hamburg regelmäßig anlaufenden Atomfrachter gegen das zentrale Atomdrehkreuz Deutschlands, den Hamburger Hafen. Auch zum G20 im Juli gilt der Leitsatz von Grass: „Wir müssen da hin, wo die sind.“ Und so wird 'Lesen ohne Atomstrom' mit seinen Autoren und Künstlern kurz vor Eintreffen der Staatschefs an den Tagungsort der G20 gehen.

 

SCHON IM JULI - DAS NÄXTE EVENT

Das Festival-Finale am 13. März mit einzigartigem Künstler-Ensemble auf der Elbe war eine Demo gegen das Atomdrehkreuz Hamburger Hafen – und hat die Perspektive von 'Lesen ohne Atomstrom' vorgegeben: „Das Festival wird nach sieben Jahren künftig noch stärker zu konkreten politischen Anlässen Position beziehen“, so Festivalsprecher Oliver Neß. Frank Otto, Vorstand des Kultur für alle e. V., der das unabhängige Festival seit sieben Jahren organisiert, ergänzt: „'Lesen ohne Atomstrom' wird mit seinen prominent besetzten Programmen politisch intervenieren. Dabei wird es nicht immer die bekannte Festivalwoche im Frühjahr geben, wir werden flexibler.“ So findet das nächste 'Lesen ohne Atomstrom' denn auch nicht erst 2018 statt, sondern bereits im Juli – zum G20-Gipfel. Otto: „'Lesen ohne Atomstrom' wird dieses internationale Ereignis mit engagierter Kultur begleiten – dort wo es stattfindet. So hat 'Lesen ohne Atomstrom' 2011 schließlich begonnen. Als wir damals über den ersten Veranstaltungsort nachdachten, sagte unser Mitbegründer Günter Grass: 'Wir müssen da hin, wo DIE sind.'“ Und 'DIE' war der Atomkonzern Vattenfall. So kam es, dass Nina Hagen und Günter Grass vor dem Vattenfall-Meiler lasen, um gegen den Kulturmissbrauch der Atomkonzerne zu protestierten. Neß: „Jetzt im Juli gehen wir mit den Künstlern da hin, wo die G20 sind: Ein Gast von uns wird Haidi Giuliani sein, Autorin und Parlamentsabgeordnete in Italien. Ihr Sohn Carlo wurde 2001 in Genua bei den Protesten gegen den Gipfel von der Polizei erschossen, Hunderte Demonstranten gefoltert. Nach den dramatischen Ereignissen in Genua haben die Gipfel nicht mehr in einer Metropole stattgefunden. Bis jetzt.“ Im Juni wird 'Lesen ohne Atomstrom' Programm und Mitwirkende der Juli-Veranstaltung bekanntgeben.

 


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