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Atomzug gestoppt

Das hatte sich die Atomindustrie so schön ausgedacht: Bevor am Donnerstag-Nachmittag Protestaktionen im Hamburger Hafen starten konnten, wurde der Atomzug eilig auf die Reise nach Frankreich geschickt. Doch engagierte Bürger reagierten sofort: Bei Buchholz stellten sie den Atomzug am Abend – und stoppten ihn mit einer spektakulären Blockade. Fast vier Stunden konnte der Zug, der mit mehreren Tonnen Uranerzkonzentrat - dem Basismaterial für den Betrieb von Atomkraftwerken - beladen ist, nicht weiterfahren. Inzwischen ist der Zug wieder unterwegs gen Süden, wo weitere Proteste angekündigt sind. 'Lesen ohne Atomstrom' wird über Deutschlands wichtigste Atom-Drehscheibe, den Hamburger Hafen, ab der kommenden Woche eine breite Öffentlichkeit informieren, dabei auch die Verantwortlichen für die Genehmigung der wöchentlich stattfindenden Atomtransporte benennen: Bürgermeister Scholz und Umweltsenator Kerstan.

 

Geheimsache Atomzug

Der Atomzug - dessen strahlende Fracht am Dienstag in den Hamburger Hafen gekommen war - hat Hamburg früher verlassen als geplant: Um 13.50 Uhr am Donnerstag ist er durch Wilhelmsburg gefahren, mit mehreren Tonnen Uranerzkonzentrat. Wie zu hören ist fürchteten Bahn, Spediteur und Polizei Blockaden engagierter Bürger. Deswegen wurde der Zug in aller Eile zusammengekoppelt und mehr als zwei Stunden früher als geplant auf die Reise geschickt. Entlang der Fahrtstrecke des Zuges nach Frankreich sind mehrere Mahnwachen gegen die Atomtransporte angekündigt. Der im Hamburger Hafen entladene Atomfrachter 'Bright Sky' soll Hamburg noch heute verlassen.
Mit Genehmigung des rot-grünen Senats wird das nächste Atomschiff nicht lange auf sich warten lassen: Nächste Woche startet dazu die öffentlich sichtbare Informationskampagne von 'Lesen ohne Atomstrom'.

 

Seit Dienstag ist wieder ein Atomfrachter im Hamburger Hafen: die ‚Bright Sky’ liegt mit mehreren Tonnen Uranerzkonzentrat, dem Basismaterial für den Betrieb von Atommeilern, am Süd-West-Terminal der Firma C. Steinweg, einer bekannten Atomspedition. Bis Donnerstag wird der Atomfrachter noch an den Reiherstieg verlegt. Das Uranerz wird nach Informationen von ‚Lesen ohne Atomstrom’ am Donnerstag von der Deutschen Bahn weitertransportiert – durch Hamburger Wohngebiete, konkret über Wilhelmsburg nach Maschen, dann weiter über Bremen, Köln, Trier bis ins französische Malvési bei Narbonne. Dort wird es weiterverarbeitet für den Einsatz in Atomkraftwerken. Engagierte Bürger rufen für Donnerstag, den 7.4., nachmittags zu Protesten auf, am Gelände der Spedition C. Steinweg am Kamerunweg. Der Atomzug startet wahrscheinlich am Donnerstag gegen 16 Uhr. Mehr Informationen: twitter.com/urantransport und http://www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/aktionstage/

 

„So geht's nicht. Kampagne verstärken!“

Hamburg bleibt Deutschlands wichtigstes Atom-Drehkreuz, avisiert Umweltsenator Jens Kerstan: Ihm bleibe nur, an die Freiwilligkeit der im Atomgeschäft tätigen Firmen zu appellieren, zumal er auch Rücksicht auf den Koalitionspartner SPD nehmen müsse, erklärte Kerstan zum Auftakt des Festivals 'Lesen ohne Atomstrom' im Gespräch mit Japans Ex-Premierminister Naoto Kan und den 'Lesen ohne Atomstrom'-Vertretern Oliver Neß und Frank Otto. Die sagen: „Das ist ein politischer Offenbarungseid, das geht gar nicht. Bremen hat seine Häfen per Gesetz für Atomfrachten gesperrt, das muss Hamburg auch können. Und auf die Unternehmen mit städtischer Beteiligung wie Hapag-Lloyd und HHLA hat der Senat jederzeit direkt Einfluss, um ihnen das Atomgeschäft zu untersagen.“ Neß und Otto kündigen an: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Aussage von Senator Kerstan werden wir nun die öffentliche Kampagne zur Sperrung des Hamburger Hafens für Atomtransporte im Rahmen des im April stattfindenden Festivals verstärken müssen.“ Die Sperrung des Hafens für Atomtransporte ist zentrales Thema des 2016-Festivals – und der erste Gast dieses Jahres, Japans Ex-Premierminister Naoto Kan, fordert im Hamburger Abendblatt: „Hamburg kann Zeichen setzen“. Es würden auch „lokal konkrete Schritte benötigt, um die Atomkraft zu beenden. Wenn Hamburg kurzfristig Atomtransporte über seinen Hafen verbieten würde, wäre das ein starkes Zeichen. Das würde ich begrüßen.“

 


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