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Atom-Drehkreuz Hafen Hamburg – Sperren!

Am Freitag jährt sich der GAU von Fukushima zum fünften Mal – am 11. März 2011 kam es nach der Explosion der Reaktoren in drei Meilern zur Kernschmelze: Trotzdem laufen die ersten Atomkraftwerke in Japan schon wieder. Und auch in Deutschland will man noch sechs Jahre mit der Abschaltung der Reaktoren warten. Das ist nicht akzeptabel. Um die kommenden Jahre ihre Meiler weiterbetreiben zu können, sind die deutschen Atomkonzerne auf die regelmäßige Anlieferung radioaktiven Materials angewiesen. Die Unterbindung dieser Lieferungen ist der Schlüssel zum beschleunigten Atomausstieg – wozu Hamburg einen aktiven Beitrag leisten kann. Denn viele der Atomtransporte für die deutschen Meiler laufen über Hamburg, vor allem über den Hafen. Für 2014 hat der Senat erklärt, 239 dieser heiklen Transporte gestattet zu haben, in 2015 waren es erneut 160 – und die Stadt verdient daran kräftig mit. Initiativen der rot-grünen Landesregierung zur Sperrung des Hafens für Atomtransporte, so wie es in Bremen seit vier Jahren Gesetz ist, gibt es an der Elbe nicht.

'Lesen ohne Atomstrom 2016' wird dies in den Veranstaltungen im März und April ausführlich thematisieren – und dafür auch drei Mal selbst aufs Wasser gehen.

 

Danke, Roger!

Es war im April 2013 als die „durch nichts legitimierte Atomlobby“ (Günter Grass) aus Vattenfall und Senatsvertretern die regelmäßige Begleitung ihrer sogenannten 'Vattenfall-Lesetage' nicht länger akzeptieren wollte – und Vieles aufbot, um das störende 'Lesen ohne Atomstrom' ein für alle Mal zu beenden: Dienstleister des Atomkonzerns schrieben Künstler an, die bei 'Lesen ohne Atomstrom' auftreten wollten. Partner von 'Lesen ohne Atomstrom' wurden massiv bedrängt, gar die Arbeitgeber von Unterstützern angerufen. Einzelne Macher von 'Lesen ohne Atomstrom' wurden als „Gewalttäter“ denunziert. Und SPD-Strippenzieher aus dem Rathaus wurden bei städtischen Institutionen vorstellig, um deren Engagement bei 'Lesen ohne Atomstrom' zu „hinterfragen“.
In dieser Situation reichte es Roger Willemsen, der als einer der ersten Autoren bei 'Lesen ohne Atomstrom' aufgetreten war – und er ging an die Öffentlichkeit: „Wir werden beschimpft und verleumdet!“ empörte Roger Willemsen sich – und machte die Attacken öffentlich. In Richtung der Kultursenatorin, die sich mit alljährlichen Grußworten als sowas wie eine Schirmherrin regelmäßig den Greenwashern der Atomindustrie andiente, fragte Willemsen öffentlich süffisant: „Was wäre so falsch daran, wenn Heckler&Koch eine Lesung von Berta von Suttners 'Die Waffen nieder' sponsorn würde?“  Immer mehr Autoren und Künstler positionierten sich bei 'Lesen ohne Atomstrom' gegen den „Kulturmissbrauch“ (Jakob von Uexküll), bald darauf wurden die vom Senat über Jahre finanziell und logistisch geförderten 'Vattenfall-Lesetage' eingestellt.
Als intimer Kenner der institutionalisierten städtischen Alimentierung einzelner Protagonisten der Hamburger Literaturszene verhalf Roger Willemsen den 'Lesen ohne Atomstrom'-Organisatoren zu wertvollem Insiderwissen – und stand auch immer mal wieder ganz dezent im Hintergrund beratend zur Seite, wenn es um neue Programme für 'Lesen ohne Atomstrom' ging.
Und Roger Willemsen war es auch, der seinen kongenialen Partner Dieter Hildebrandt ansprach - überreden zum Mitmachen bei 'Lesen ohne Atomstrom' musste er ihn nicht. Die beiden Meister des geschliffenen Wortes begeisterten die Zuschauer 2012 im bis auf den letzten Platz besetzten Altonaer Theater – mit der 'Weltgeschichte der Lüge'.
Am 7. Februar ist Roger Willemsen verstorben. Wir sind sehr traurig. Und sehr dankbar für die Zeit des gemeinsamen Engagements: Danke, Roger!

 

„Sie wollen am liebsten alles unter den Teppich kehren“

Das sagte Starautor Henning Mankell kurz vor seinem Tod zur weltweit ungelösten Lagerung von Atommüll. Die Endlagerproblematik und die damit eng verbundenen Atomtransporte werden zentrales Thema der 'Erneuerbaren Lesetage 2016' sein, die vom 21. bis 27. April in Hamburg stattfinden. Und dabei wird es auch um Henning Mankell gehen, der die Atommüll-Lagerung zum roten Faden seines letzten Buches 'Treibsand' machte: „Ich wollte ursprünglich darüber schreiben, was wir nachfolgenden Generationen hinterlassen. Mein erster Gedanke, vor meiner Erkrankung, war: Wir hinterlassen atomaren Müll. Wenn Rembrandt, Beethoven und andere längst vergessen sind, wird der Atommüll in einer Million Jahren tief unten in der Erde immer noch strahlen, immer noch giftig sein. Wir sind eine Zivilisation, die eine Erinnerung hinterlässt, die man am liebsten vergessen würde. Das empfand ich als zutiefst verstörend. (…) Ich hatte einen Artikel gelesen, wie sie in Finnland den Atommüll tief in der Erde vergruben, in der Hoffnung, ihn dort die nächsten 100.000 Jahre sicher lagern zu können. Ich schrieb den Betreibern, dass ich mir das gern mal ansehen würde, um darüber zu schreiben. Sie antworteten: 'Das ist nicht möglich, wir können nicht für Ihre Sicherheit garantieren.' Ich dachte nur: 'Jesus! Sie geben vor, den Müll für die nächsten 100.000 Jahre sicher verstauen zu wollen und können nicht mal für meine Sicherheit garantieren, wenn ich da runterfahre?!' (…) Mir wurde klar: Die hoffen, dass wir, die nachfolgenden Generationen, es nie finden. Mein Buch war als Zivilisationskritik angelegt, dann schob sich meine Krankheit dazwischen.“

'Lesen ohne Atomstrom' wird in seinem 2016-Programm zum 30. Jahrestag des Tschernobyl-GAU an Mankells Zivilisationskritik erinnern. Am 11. März, dem 5. Jahrestag des Fukushima-GAU, wird das neue Festivalprogramm öffentlich bekanntgegeben.

 

2016 – Zum 6. Mal ohne Atomstrom lesen

Hamburgs unabhängiges Literaturfestival wird 2016 bereits das sechste Mal stattfinden, zum 30. Jahrestag des Tschernobyl-GAU und dem 5. Jahrestag der Explosion der Fukushima-Reaktoren. Frank Otto, Vorstand des gemeinnützigen Kultur für alle e. V., und 'Lesen ohne Atomstrom'-Sprecher Oliver Neß teilen mit: „Das Festival wird 2016 erneut mit exklusiven Literaturarrangements für die Beschleunigung des Atomausstiegs Position beziehen. Bereits jetzt haben zahlreiche Autoren und Künstler aus dem In- und Ausland zugesagt, rund um den UN-Welttag des Buches am 23. April und den Tschernobyl-Jahrestag am 26. April in Hamburg aufzutreten.“ Veröffentlicht wird das 2016-Programm am Fukushima-Jahrestag, dem 11. März.
 


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